Kategorie-Archiv: Fotografie

Was ist Ambrotypie?

Sicherlich gibt es viele Leute, die noch nie etwas von “Ambrotypie” gehört haben. Das hatte ich zwar schon, aber ich wusste nicht, dass es ganz in der Nähe auch Menschen gibt, die diese sehr ursprüngliche und extrem analoge Art zu fotografieren noch/wieder praktizieren. Bis mich Pia eines Tages eingeladen hatte, sie zu einem Shooting in das Gebäude 1 in Wuppertal zu begleiten, wo Martin Treml sich bereits seit längerer Zeit mit diesem Thema beschäftigte. Jetzt habe ich – gemeinsam mit Olaf einmal versucht – unter fachkundiger Anleitung eigene Aufnahmen zu erstellen.

Wikipedia sagt zum Thema Anbrotypie folgendes:

Die Ambrotypie (Melanotypie, Amphitypie oder kurz Ambro, von dem griechischen Wort „ambrotos“, „unsterblich“) ist ein fotografisches Direktpositiv-Verfahren, das im nassen Kollodiumverfahren hergestellt wird und zwischen 1852 und 1890 verwendet wurde; es wurde vor allem als preiswerter Ersatz für die Daguerreotypie genutzt. Die Bildwirkung der Ambrotypie basiert auf einer knapp belichteten und entwickelten iod- und bromsilberhaltigen Kollodiumschicht auf Glas. Das weißliche Glasnegativ wird mit schwarzem Papier oder Samt hinterlegt und erhält so seine positive Bildwirkung (Scheinpositiv); das Negativ erscheint aufgrund des Dunkelfeldprinzips vor einem dunklen Hintergrund als Positiv. Genutzt wird also ein Unikat.

… und jetzt mit meinen eigenen Worten (so, wie ich es bisher verstanden habe – und ich brauche da noch eine Menge Literatur, bis ich mir die ganzen Chemikalien merken kann!): Das Verfahren, der Ambrotypie ist eine der ersten Formen der Fotografie, bei der auf einer beschichteten Glasplatte ein Foto entsteht. Aufgenommen wird das Bild von einer so genannten Fachkamera:

Die historische Fachkamera, mit der ich gearbeitet habe.

Die historische Fachkamera, mit der ich gearbeitet habe.

Die Fachkamera besteht – einfach gesagt – aus einem Objektiv, einem Balgen und einer Mattscheibe. Auf letzterer wird das Motiv extrem hochauflösend, scharf (und vor allem sehr groß!) abgebildet. Die Mattscheibe ist ca. 20×30 cm groß und zeigt das spätere Motiv auf dem Kopf. Im ersten Schritt wird das Motiv eingerichtet, bevor dann an die Stelle der Mattscheibe eine Kassette mit dem vorbereiteten Aufnahmematerial gesetzt wird.

Klingt banal, braucht aber eine ganze Menge Vorbereitung. Die Kassette der Kamera trägt in unserem Fall Glasplatten in den Formaten 18×24 und 13×18 cm – wir haben das kleinere Format verwendet und entsprechend große Glasplatten zuerst absolut sauber geputzt und dann mit einer Schicht Collodion überzogen. Dabei handelt es sich um ein Trägermaterial, das in der Dunkelkammer nun ca. 3 Minuten in ein Bad mit Silbernitrat gelegt wird. Jetzt ist die Platte mit dem lichtempfindlichen “Film” überzogen und für die Aufnahme vorbereitet. Sie wird in eine lichtdichte Kassette gegeben, die an die Stelle der Mattscheibe in die Kamera kommt.

Collodion

Collodion

Für die eigentliche Aufnahme muss das Motiv mit möglichst viel Licht (optimal mit hohem UV-Anteil) ausgeleuchtet werden. Wenn die aktivierte Glasplatte für das Licht/Motiv freigegeben ist, dauert es etwa 20 Sekunden, bis die Aufnahme “fertig” ist. In dieser Zeit darf sich das Motiv/Objekt im Idealfall kein Fitzelchen bewegen, da die Aufnahme sonst unscharf würde (das ist gar nicht so leicht!).

Die belichtete Glasplatte mit dem Silbernitrat wird in der verschlossenen Kassette wieder in die Dunkelkammer gebracht und dort mit Entwickler-Flüssigkeit übergossen. Nach ein paar Sekunden zeichnet sich das schwarz/weisse Bild ab. Allerdings invertiert. Sobald der gewünschte Kontrast etwa erreicht wurde, wird der Entwickler mit Leitungswasser abgespült und das Entwickeln somit unterbrochen.

Ab jetzt ist die beschichtete Glasplatte auch nicht mehr Lichtempfindlich und kann bei eingeschalteter Beleuchtung fixiert werden. Hier wird überflüssiges Trägermaterial herausgewaschen.

entwickelte Glasplatte im Fixierer-Bad (die weiße Schicht wird quasi "herausgewaschen")

entwickelte Glasplatte im Fixierer-Bad (die weiße Schicht wird quasi “herausgewaschen”)

Sobald die überschüssige Weiße Schicht weggeschwemmt ist und auch der Fixierer mit destilliertem Wasser ausgewaschen wurde, bleibt ein schwaches Negativ übrig:

Fertiges Negativ bzw. "Schein-Positiv im Wasserbad

Fertiges Negativ bzw. “Schein-Positiv im Wasserbad

Das negative Bild wird auch als “Schein-Positiv” bezeichnet, da es vor schwarzem Hintergrund wieder sichtbar wird.

Meine ersten Ergebnisse waren übrigens diese beiden Ambrotypien von Olaf, die – als sie getrocknet waren – mit offener Scannerklappe in den PC eingelesen wurden:

Meine ersten Ambrotypien von Olaf

Meine ersten Ambrotypien von Olaf

Jede Ambrotypie ist übrigens ein Unikat. Nicht bearbeitet, nicht manipuliert, sonder 100% so, wie die Kamera es aufgenommen und die Chemikalien es verarbeitet haben!

Allein der Gedanke daran ist schon toll. Vor allem, weil im kompletten Produktionsprozess so viel schiefgehen kann – teilweise schon deshalb, weil eine Chemikalie die falsche Temperatur hat oder “überreif” ist. In unserem Fall hat aber alles geklappt – bisher!

Jetzt muss “nur noch” eine Lösung aufgetragen werden, die verhindert, dass das Silber (ähnlich wie Besteck) mit der Zeit nachdunkelt. Hierzu wird ein sogenannter “Vanisher” verwendet. Hoffentlich geht auch in diesem Fall alles gut und die Bilder sind dann in Kürze wohlbehalten und unbeschadet bei Olaf und mir zu Hause. Schon der Weg und die Herstellung war ein echtes Erlebnis, aber es wäre gelogen, wenn man das fertige Resultat nun nicht irgendwo an einen würdigen Platz stellen wollen würde.

Hier übrigens die Bilder, die Olaf von mir geschossen hat (inkl. einer Ganzkörper-Pose, die bei 20 Sekunden Bewegungslosigkeit gar nicht so einfach war).

Ambrotypie_Beispiel_1

Ambrotypie_Beispiel_2

Ambrotypie_Beispiel_3

Noch einmal ganz herzlichen Dank an Olaf und natürlich an den “Master of Ambrotypie”, Martin Treml – für einen tollen Tag und ein unvergessliches Ergebnis! Ich habe für die Bilder auch bereits einen würdigen Platz gefunden und vermute, dass es nicht das letzte Mal war, dass ich hinter einer Fachkamera gestanden habe …

Der Fotograf und die Drohne (Parrot AR.Drone 2.0)

Vor knapp drei Jahren wollte ich schon eine Drohne anschaffen. Zu diesem Zeitpunkt waren die meisten Geräte jedoch noch sehr teuer und unkomfortabel in der Bedienung. Also wurde der Plan erst einmal verworfen.

Für mich sollte so ein Fluggerät genauso einfach zu bedienen sein, wie ein iPhone. Intuitiv und idiotensicher. Ausgerechnet im Apple Store sah ich plötzlich so ein Teilchen. Der Preis lag bei unter 300 Euro und ich dachte mir, wenn Apple schon Fremdprodukte in seinen Shop aufnimmt, dann muss das Teilchen in der Verarbeitung und Bedienung wohl entsprechend gut sein.

Genau so ist es auch. Das Gerät muss nicht zusammengebaut werden, sondern befindet sich komplett montiert in der Verpackung. Nicht nur bei Apple, sondern auch bei einschlägigen Elektronik-Händlern erhältlich. Preislich allerdings relativ konstant.

Gesteuert wird die Drohne mit dem iPhone, iPad oder auch iPod Touch. Dazu muss das Fluggerät einfach via WLAN z.B. mit dem iPhone verbunden und die Steuersoftware aufgerufen werden. Ein kleines Highlight: An Bord der Drohne befinden sich zwei (!) kleine Kameras. Eine Kamera zeigt die On-Bord-Perspektive bei Flugrichtung nach vorne. Die Qualität ist absolut akzeptabel. Eine zweite Kamera (mit deutlich schlechterer Qualität) ist gerade nach unten ausgerichtet und zeigt so den Start-/Landebereich.

Die Videobilder beider Kameras lassen sich in Echtzeit auf dem Smartphone anzeigen, so dass man – auch ohne die Drohne zu sehen – auf Sicht fliegen kann.

Screenshot der AR.Drone in meinem Waschkeller

Screenshot der AR.Drone in meinem Waschkeller

Mit dem Steuerprogramm lassen sich darüber hinaus noch zahlreiche Einstellungen der Drohne anpassen und verändern. Im Lieferzustand sind alle Einstellungen so vorgenommen, dass eigentlich nichts passieren kann. Neigungswinkel, Steuerung und Geschwindigkeiten sind auch für den Anfänger gut geeignet, lassen sich aber später deutlich anpassen:

Einige der Einstellungsmöglichkeiten im Steuerprogramm

Einige der Einstellungsmöglichkeiten im Steuerprogramm

Bevor man die Drohne startet, sollte man sich allerdings noch entscheiden, welche der beiden mitgelieferten Verkleidungen man wählt.

Produktfotos. Oben: Infoor-Verkleidung, unten: Outdoor-Verkleidung

Produktfotos. Oben: Infoor-Verkleidung, unten: Outdoor-Verkleidung

Für den Indoor-Einsatz (und auch für die ersten Flugversuche im Freien) eignet sich die Schaumstoff-Verkleidung die die Rotorblätter vor Unfällen schützt. Die Rotorblätter sind jedoch recht elastisch und robust und gehen auch nicht beim ersten Crash kaput. Wenn doch, dann gibt es für ein paar Euro im Internet aufgrund der hohen verbreitung des Produkte überall Ersatzteile.

Befeuert wird die Drohne übrigens mit einem Lithium-Polymer-Akku, der für knapp 10 bis 20 Minuten Flufvergnügen (ja nach Witterung und Nutzlast) liegt. Der Akku ist das schwerste Bauteil der ganzen Drohne und wird mittig platziert.

AR.Drone 2.0 ohne Verkleidung

AR.Drone 2.0 ohne Verkleidung

Die Video- und Fotoaufnahmen werden entweder im Steuergerät (z.B. iPhone) aufgezeichnet oder auf einem USB-Stick, der ebenfalls in der Drohne montiert werden kann.

Das alles reichte mir jedoch nicht aus und ich wollte die Bild-Qualität und den Aufnahmekonfort noch ein wenig erhöhen. Aus diesem Grund habe ich geschaut, wie ich eine GoPro-Kamera montieren kann. Ideal ist der Schwerpunkt möglichst mittig und unterhalb der Drohne. Hierzu gibt es ein paar robuste Bauteile, die man leicht selbst zusammenstecken kann. Gefertigt von Droneparts.

Das ganze sieht dann so aus:

GoPro Halterung für die AR.Drone 2.0

GoPro Halterung für die AR.Drone 2.0

Bevor ich mir die teile für die Halterung bestellt hatte, habe ich erst einmal ausprobiert, ob die Drohne die Last der GoPro überhaupt trägt. Dazu habe ich die Kamera einfach mit Klebeband auf der Drohne befestigt. Durch die Position oberhalb statt unterhalb hatte ich dann einen etwas unruhigen Flug:

Aber: Die Nutzlast einer GoPro stellt für die AR.Drone 2.0 kein größeres Problem dar. Außer, dass sich die Flugzeit des Akkus ein wenig verkürzt.

Mit der späteren Halterung habe ich dann direkt mal ein paar Testbilder gemacht und mein Haus und das des Nachbarn von oben angeschaut (ich wollte doch wissen, ob sein Rasen schon wieder so gut aussieht). Die Ergebnisse waren wirklich besser, als erwartet – auch wenn natürlich die für GoPro Typische Fisheye-Zerrung zu erkennen ist:

Mein Haus von oben mit GoPro und AR.Drone 2.0

Mein Haus von oben mit GoPro und AR.Drone 2.0

... und so sieht es bei meinen Nachbarn aus ;-)

… und so sieht es bei meinen Nachbarn aus ;-)

Zum Vergleich: So sahen die ersten Bilder mit der On-Bord-Kamera aus:

Fotos von der eingebauten Kamera der AR.Drone

Fotos von der eingebauten Kamera der AR.Drone

… das waren natürlich nur die ersten Flug-Tests, aber mittlerweile kann ich damit ganz anständige Luftbilder von Gebäuden machen. Sicherlich für den ein oder anderen Garten-Planer oder Immobilienmakler interessant.

Das neue Buch: Einführung in die Studio-Fotografie

Dank der tollen Zusammenarbeit mit dem Model und der vielen fleißigen Helfer konnte das Buch nach einem Foto-Shooting Mitte Januar bereits am 1. Februar 2013 veröffentlicht werden. Nicht zuletzt dank einer ganz neuen Methode, wie das Buch korrigiert wurde. Ich habe es “crowd correction” getauft. Dazu habe ich bei Facebook nach Freiwilligen gesucht und den knapp 20 Personen jeweils 10-15 Seiten zur Korrektur geschickt. Jedes Häppchen ging dabei an zwei Personen. Die Vorteile liegen auf der Hand. Nach nur 2 Stunden hatte ich alle (!) Teile korrigiert zurück erhalten und konnte auch dank der doppelten Korrektur schnell erkennen, ob alle Fehler gefunden wurden. Bei Abweichungen der beiden Versionen, hat eine dritte Person den Teil erneut korrigiert.

Wenn das Buch nicht nur einen Geschwindigkeitsrekord in der Fertigstellung und Veröffentlichung aufstellt, sondern ebenso häufig verkauft wird, würde mich das natürlich umso mehr freuen. Das Buch ist im handlichen Taschenbuch-Format erschienen und passt so in jede Fototasche. Was Einsteiger darüber hinaus noch freuen wird ist die Tatsache, dass das Buch zu einem unschlagbar günstigen Preis hat. Mit 12,90 EUR als Printversion und 7,90 EUR als E-Book ist es nach meinem Wissen eines der preiswertesten Bücher für dieses Thema überhaupt. Viele vergleichbare Nachschlagewerke kosten mehr als das Doppelte.

Einführung in die Studio-Fotogafie (Vorschau)

Einführung in die Studio-Fotogafie (Vorschau)

Hier ist der Link zu Amazon

PS: In kürze gibt es noch ein weiteres Buch. Details dazu kann ich allerdings noch nicht verraten …

Sport-Fotos einmal anders

Mit den Sport-Fotos ist das ja immer so eine Sache. Da bewegt sich alles so schnell und außerdem muss man dann auch noch wissen, in welchem Augenblick man das schönste Bild machen kann. Ich habe mich vor einigen Jahren ja mal mit Pferdefotos beschäftigt und dabei festgestellt, dass das alles gar nicht so leicht ist.

Ich bin ja eher jemand, der Wert auf ein schönes Ambiente mit tollen Farben und ruhig stehenden oder sitzenden Personen bevorzugt. Das ist allerdings im Bereich Sport nur selten möglich. Zuerst fiel mir da Schach ein, aber so wirklich spannend ist das ja nicht, weil da ja doch eher selten etwas passiert. Es soll bunter sein – amerikanischer halt. Und was gäbe es da besseres, als Poker.

Seitdem wir einen deutschen Champion haben und Stefan Raab auch alle paar Wochen ein paar Promis zu einer gemütlichen Runde einläd, ist Poker extrem salonfähig geworden und wenn man mal ein bisschen googelt, stößt man schnell auf extrem tolle Poker-Fotos (z.B. von Joe Giron). Genau sowas stelle ich mir auch vor. Man kann sich in aller Ruhe mit einer ordentlichen und lichtstarken Brennweite hinsetzen und kann ein Bild mit entsprechendem Schärfeverlauf zaubern.

Es mag für den ein oder anderen vielleicht seltsam klingen oder nicht viel mit Sport zu tun haben. Sicherlich bezweifelt auch jemand den photografischen Anspruch, wenn ich mich auf einem Poker-Turniert herumtreibe. Dennoch ist das eines meiner fotografischen Ziele für dieses Jahr. Vielleicht gibt es ja dann bei den Fotos des Jahres für 2013 auch ein Bild von mir …

Screenshot: Webseite von Joe Giron

Screenshot: Webseite von Joe Giron

Focusmaker – Hilfsmittel für DSLR-Videofilmer

Bei Filmen, die mit einer digitalen Spiegelreflexkamera gemacht werden, ist besonders der Schärfeverlauf ein gerne genutztes Stilmittel. Allerdings braucht man dabei oft ein ruhiges Händchen und muss sich die Positionen der entsprechenen Schärfeebene merken.

Der Focusmaker im Einsatz

Der Focusmaker im Einsatz

Dafür gibt es nun ein kleines, aber sinnvolles Hilfsmitteln, das universell an alle Objektive montiert werden kann. Mit entsprechenden Gradzahlen, Markern und Stop-Arretierungen ist es so einfach wie genial. Auch der Preis ist für Fotografen mit unter 70 Euro netto noch eher günstig.

Hier gibt es ein Demo-Video: