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Shop-Gebühr für Selbstabholer

Der Einzelhandel klagt, dass sich die Shops und Geschäfte in den Städten nicht mehr halten können, weil sie der Übermacht der Online-Händler nicht mehr gewachsen wären. Das ist tatsächlich ein Problem, aber nach meinen jüngsten Erfahrungen tut der Einzelhandel nicht gerade besonders viel dafür, ein attraktives Angebot im Wettbewerb zu den Online-Händlern zu schaffen. Ganz im Gegenteil. Gerade Händler, die zusätzlich einen Online-Shop betreiben, setzen scheinbar alles daran, ihre Kunden zu vergraulen.

Ich hatte jüngst das Erlebnis, dass ich eine hochpreisige Digitalkamera kaufen sollte. Bester Verkaufspreis laut Preissuchmaschine Idealo war 1799 Euro. Das war für das entsprechende Produkt das beste Angebot – noch besser: Der Händler befand sich in meiner direkten Nachbarschaft. Aus diesem Grund wollte ich direkt im Geschäft vorbeigehen, um das Produkt zu erwerben. Am Tag des Einkaufs wollte ich noch nach der genauen Adresse schauen und stellte fest, dass das Produkt nun 50 Euro teurer war, als noch am Vortag. Okay, das ist wohl Angebot und Nachfrage. Es war immer noch der beste Preis und da das Produkt aus verschiedenen Gründen gebraucht wurde, war ich auch damit einverstanden und setzte mich ins Auto.

Ich kam am Shop an. Es war kein Lager oder ähnliches, sondern ein echtes Foto-Fachgeschäft. Ich hing hinein, freute mich, dass das Produkt vorrätig war und wollte es auch gleich bezahlen. Gerne auch in bar. “Kein Problem. Das macht dann 1854 Euro.” – Jetzt war ich etwas verduzt. Hatte ich noch im Internet den preis von 1849 Euro gelesen. Den Aufpreis von 5 Euro sollte ich zahlen, weil ich die Ware selbst abholen würde, statt sie mir versandkostenfrei (!) schicken zu lassen.

Großes Kopfschütteln: Der Händler hatte keine Arbeit, kein Versandrisiko, kein Fernabsatzgesetz (Rückgabe-Risiko), keine Versandkosten und dennoch wollte er von mir eine Gebühr von 5 Euro haben. Besonders im Verhältnis zum Verkaufspreis der Kamera stand das in keinem Verhältnis. Mit der Preiserhöhung war ich ja noch einverstanden, aber diese 5 Euro wollte ich aus Prinzip nicht zahlen.

Nagut, dachte ich mir, zückte mein Handy und bestellte das Produkt online – für 5 Euro weniger. Als Lieferadresse gab ich die Adresse des Shops an, in dem ich mich gerade befand. Das fand der Händler nicht wirklich lustig und legte plötzlich auch keinen Wert mehr darauf, mir die Kamera zu verkaufen, obwohl ich das Bargeld bereits in der Hand hielt.

Fazit: So schlecht scheint es dem Einzelhandel noch nicht zu gehen …

Hier übrigens mal ein paar Beispiele aus der gleichen Branche, die zeigen, dass so etwas kein Einzelfall ist. Vorweg: Alle Händler geben auf ihrer Webseite an, dass sie eine solche Shop-Gebühr für Selbstabholer haben – aber das macht es natürlich nicht besser.

1. Warsteiner Fotoversand:

5 Euro Shopgebühr beim Warsteiner Foto-Versand
5 Euro Shopgebühr beim Warsteiner Foto-Versand

Foto-Fachgeschäft in der Warsteier Innenstadt. Aus dem Ladenlokal kann man die Packtische für den Versand sogar sehen. Alles an einem Ort, dennoch fallen hier 5 Euro Gebühr an. Allerdings: Wenn man nett ist, wird nicht nur auf die Gebühr verzichtet, sondern wenn es am Vortag einen besseren Preis hab, erhält man auch diesen.

2. Foto Köster:

Komplett abweichende Preise bei Foto Köster
Komplett abweichende Preise bei Foto Köster

Bei Foto Köster aus Münster weichen die Preise im Ladenlokal teilweise erheblich zum Nachteil des Kunden von den Online-Preisen ab. Begründet wird der abweichende Preis mit Miete und Personalkosten. Da stellt sich natürlich die Frage, ob der Versand ohne Miete (Lager) und Personal auskommt. Hier ist man auch nicht bereit über den Preis zu diskutieren. In diesem Fall würde ich schon fast empfehlen, sich im Ladenlokal ausführlich beraten zu lassen und das Produkt dann bei einem ganz anderen Händler zu kaufen.

3. Foto Erhardt:

Hier fällt eine "Handling-Gebühr" von 5 Euro an
Hier fällt eine “Handling-Gebühr” von 5 Euro an

Foto Erhard beschreibt die Mehrkosten als “Handling-Gebühr” und begründet sie damit, dass der Rechnungsbetrag manuell verbucht werden müsse. Der selbe Händler bietet aber beispielsweise Zahlung per Paypal an – ohne Mehrkosten! Die gebühren (das sind bei hochpreisigen Produkten schon ein paar Euro) trägt der Händler und obwohl auch diese Zahlungen manuell abgerechnet werden müssen, fällt hier keine Zusatzgebühr an.

Das waren nur drei der Beispiele, die ich spontan im Internet gefunden habe …

Fazit 2: Die zusätzlichen Kosten sind in den meisten Fällen ein Phantasieprodukt der Händler, dass sie mit fadenscheinigen Argumenten Rechtfertigen wollen. Bedauerlich ist, dass das gekaufte Produkt un der sonstige Service optimal sein können, aber der Kunde genau diese unnötige Gebühr im Gedächtnis behält und das teilweise auch die Gründe für negative Einträge in Kundenbewertungs-Systemen sind. Das muss doch nicht sein, oder?